Feuerwehr Barßel [JS]
Maren Schröder, Joachim Schulte
50 Jahre Feuerwehr: Hermann Sybrandts wechselt in die Altersabteilung
Ein halbes Jahrhundert Feuerwehrdienst, unzählige Einsätze, Verantwortung in verschiedenen Führungsfunktionen und vor allem eine außergewöhnliche Kameradschaft: Am 22. September 2026, seinem 67. Geburtstag, ist Hermann Sybrandts offiziell aus der aktiven Abteilung der Feuerwehr Barßel in die Altersabteilung übergetreten.
Ganz im Zeichen dieses besonderen Tages hatten sich zahlreiche Kameradinnen und Kameraden zusammengefunden. Rund 60 Feuerwehrleute machten sich schließlich mit Fackeln auf den Weg zum Wohnhaus von Hermann Sybrandts, um ihn dort abzuholen.
Von Nordloh-Tange nach Barßel – 50 Jahre Feuerwehrgeschichte
Die Feuerwehrlaufbahn von Hermann Sybrandts begann am 9. Januar 1976. Als junger Feuerwehrmannanwärter trat er in die Ortsfeuerwehr Nordloh-Tange ein. Dort sammelte er seine ersten Erfahrungen und erlernte das Feuerwehrhandwerk von der Pike auf.
Nach zwölf Jahren führte ihn sein Weg am 15. Januar 1988 der Liebe wegen nach Barßel. Seitdem ist Hermann ein fester Bestandteil der Feuerwehr Barßel und hat die Entwicklung der Wehr über Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt.
Seine Laufbahn zeigt dabei eindrucksvoll, wie konsequent er sich weiterentwickelt und Verantwortung übernommen hat. Vom Feuerwehrmann im Jahr 1977 bis zum Hauptbrandmeister im Jahr 2015 durchlief er sämtliche Stufen der Feuerwehrlaufbahn.
Von 2007 bis 2019 war Hermann Sybrandts stellvertretender Gemeindebrandmeister. Auch danach blieb er keineswegs im Hintergrund. Bei Einsätzen übernahm er regelmäßig wichtige Aufgaben im Einsatzleitwagen. Auch wenn er damit nicht mehr unmittelbar an vorderster Front stand, war seine Arbeit im Hintergrund für den Einsatzerfolg von großer Bedeutung: organisieren, koordinieren, den Überblick behalten und an die Dinge denken, die im Eifer des Gefechts leicht übersehen werden.
Auch über die Gemeindegrenzen hinaus engagiert sich Hermann seit vielen Jahren. Als Schiedsrichter der Kreisfeuerwehr Cloppenburg beim Kreisfeuerwehrtag ist er ebenfalls eine feste Größe.
Für seine langjährige Tätigkeit wurde Hermann mehrfach ausgezeichnet. Dazu gehören unter anderem das Feuerwehr-Ehrenzeichen für 40 Jahre Dienst im Jahr 2016 sowie die Silberne Ehrennadel des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes im Jahr 2018.
Ein Kamerad, auf den man sich verlassen kann
Doch eine solche Laufbahn lässt sich nicht allein anhand von Dienstgraden und Funktionen beschreiben.
Hermann Sybrandts ist vor allem ein Kamerad, auf den man sich verlassen kann. Seine Zuverlässigkeit, sein Engagement und seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, werden in der Feuerwehr seit Jahrzehnten geschätzt. Gleichzeitig ist Hermann auch charakterlich ein ausgesprochen angesehener Kamerad.
Und wer ihn kennt, weiß: Zu seinem Wesen gehört auch ein ganz besonderer, trockener Humor.
Eine Geschichte, die dabei bis heute in Erinnerung geblieben ist, stammt aus einer Weihnachtsfeier. Als Hermann, Timo und Michael darüber sprachen, dass die Feuerwehr eigentlich neue Helme brauche, weil die alten „einfach nicht mehr gut aussehen“ würden, fiel Hermanns Antwort gewohnt trocken aus:
„Ihr braucht erstmal neue Gesichter!“
Ein Satz, der ziemlich genau beschreibt, warum Hermann bei seinen Kameraden so beliebt ist.
Feuerwehr in Uniform – und in Leder
Seine Leidenschaft für die Feuerwehr endet auch nicht mit der Uniform. Hermann ist Gründungsmitglied und Road-Captain der Red Knights International Motorcycle Club, Chapter XVI – Edewecht. Der Motorradclub verbindet Feuerwehrleute aus verschiedenen Feuerwehren und verbindet damit zwei Leidenschaften, die Hermann besonders wichtig sind: Feuerwehr und Motorradfahren.
Auch hier übernimmt Hermann Verantwortung und gibt den Weg vor – passend zu einem Kameraden, der in seinem Feuerwehrleben ebenfalls häufig vorangegangen ist.
Seinen jugendlichen Geist hat Hermann dabei bis heute bewahrt. Wer ihn bei Feiern schon einmal auf der Tanzfläche erlebt hat, kennt seine legendären Tanzeinlagen zu Songs wie dem „Harlem Shake“ oder zu den Klassikern von AC/DC.
Der letzte Einsatz – natürlich standesgemäß
Ganz ohne einen letzten Einsatz sollte Hermann dann natürlich nicht in die Altersabteilung verabschiedet werden.
Vor dem Feuerwehrhaus wartete deshalb ein kleines Papphaus, das symbolisch seinen letzten Einsatz darstellen sollte. Aus unerklärlichen Gründen geriet dieses Gebäude plötzlich tatsächlich in Brand – selbstverständlich in voller Absicht der Kameraden.
Für Hermann gab es damit nur eine Möglichkeit: Einsatz übernehmen!
Mit einer Kübelspritze machte er sich an die Brandbekämpfung. Hermann übernahm dabei selbst den Angriffstrupp, während Friedhelm Krüger die Pumpenmechanik bediente. Gemeinsam wurde der letzte „Brand“ von Hermann erfolgreich gelöscht.
Anschließend ging es mit einem Fahrzeug weiter, das ebenfalls perfekt zu diesem besonderen Anlass passte: Hermann wurde mit dem historischen LF 8, Baujahr 1981, Mercedes mit Schlingmannaufbau, zum Feuerwehrhaus gefahren.
Und dann ging tatsächlich der Melder
Nach dem offiziellen Teil wartete im Feuerwehrhaus ein gemeinsamer Imbiss auf die Kameradinnen und Kameraden. Hermann hatte gerade das Buffet freigegeben, als um 20:11 Uhr plötzlich die Alarmierung einging: Wohnhausbrand in unmittelbarer Nähe des Feuerwehrhauses.
Ein passenderer Zeitpunkt für einen Feuerwehreinsatz hätte sich kaum finden lassen.
Ob möglicherweise der Rauch des gerade erst gelöschten Papphauses die Einsatzbereitschaft der Kameraden etwas zu früh wieder auf den Plan gerufen hatte, bleibt allerdings offen. Fest stand nach der Erkundung: Fehlalarm.
Damit konnte schließlich doch noch gemeinsam gegessen und auf Hermann angestoßen werden.
Danke, Hermann!
Mit dem heutigen Tag endet für Hermann Sybrandts der aktive Feuerwehrdienst – aber sicherlich nicht seine Verbindung zur Feuerwehr.
50 Jahre Feuerwehrdienst sind eine außergewöhnliche Leistung. Fünf Jahrzehnte, in denen Hermann gelernt, angepackt, Verantwortung übernommen, Kameraden begleitet und die Feuerwehr mitgestaltet hat.
Wir danken Hermann für seine Zuverlässigkeit, seinen Einsatz, seine Kameradschaft und nicht zuletzt für seinen ganz besonderen Humor.
Hermann, wir wünschen dir für deinen neuen Abschnitt in der Altersabteilung alles Gute.
Und eines ist sicher:
Ganz ohne Feuerwehr werden wir dich nicht lassen.
Ein ganz besonderer Dank gilt auch Marianne, die Hermann über all die Jahre den Rücken freigehalten und damit einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat, dass dieses außergewöhnliche Engagement überhaupt möglich war.
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